Lost Places in Finnland

Servus und Hallo! Erstmal Danke, dass ich diesen Gastbeitrag hier schreiben darf :)

Ich bin Roach und kurz gesagt: Ich betreibe seit etwa 8 Jahren ein Hobby namens Urban Exploration, also das Suchen, Finden und Erkunden von menschengemachten verlassenen Orten. Dann blogge ich auf meinem Blog Urban Roach darüber. Normalerweise bin ich mit Kollegen oder meinem Freund unterwegs an diesen Orten unterwegs, einfach schon aus Sicherheitsgründen. Meistens stehen Lost Places außerhalb von besiedelten Gebieten und sind oft auch strukturell unsicher. 2018 von August bis Dezember stand mir dann doch ein Abenteuer allein bevor. Ein knappes halbes Jahr verbrachte ich für ein Auslandssemester in Finnland. Natürlich wollte ich meinen Aufenthalt nicht ganz ohne Lost Places meistern.

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Der Zielort war Turku, dort würde ich eine schwedische Uni besuchen. Naheliegend, dass ich auch in der näheren Umgebung begann, Orte zu suchen. Doch schon hier gab es Probleme. Erstens schien es in Finnland keine besonders große Szene dafür zu geben, genau drei Personen gibt es, welche öffentlich im Netz über ihre Erkundungen berichten und nur zwei davon in Englisch. Im Gegensatz zum Schwedisch hatte ich mit Finnisch doch so meine Probleme. Die Sprache ist nicht umsonst eine der Schwierigsten zum Lernen. Auch Übersetzungstools gaben nicht viel preis. Einige mögliche Orte fand ich dann doch noch auf der Karte, aber ohne genaue Informationen. Also fragen wir doch bei den lokalen Explorern nach. Während einer sich nie gemeldet hat, hatte ich mit den anderen beiden mehr Glück. Ein Pärchen aus dem Norden Finnlands gab mir ein paar Tipps zum Suchen und ein paar Sprachtipps. Kurz vor dem Aufbruch dann noch eine Nachricht vom Urbexer „UrbexNinja“ aus Helsinki, neben ein paar kleinen Orten nahe Turku versprach er mir mit ein paar Kollegen aus Turku zu reden, eventuell würde mich jemand etwas herumführen.

Ein paar Wochen nach meiner Ankunft war es dann auch soweit. Jemand namens Valtteri schickte mir eine Nachricht mit einer Einladung für das Messengerprogramm Telegram. Hier trieben sich also alle finnischen Lost Places-Begeisterten rum! Und nicht nur das: Auch eine Karte mit Lost Places in ganz Finnland gab es. Nach etwas Austausch über die Orte und dem Tausch mit meiner eigenen Karte, erklärte sich auch gleich noch jemand bereit mich nächste Woche zu einer Zementfabrik mitzunehmen.

Bis dahin machte ich mich aber noch selber auf den Weg, die ersten Tage verbrachte ich eigentlich hauptsächlich damit die Umgebung zu erkunden und auf dem Weg Richtung IKEA gab es doch tatsächlich einen kleinen Lost Place. Den zu finden war ziemlich lustig. Konkret ging es um eine Gaskugel mitten im Wald. Gaskugeln findet man dort, wo viel betankt wird, zum Beispiel in der Nähe von Werften und Häfen. Als Ur-Tiroler bin ich der Schiffsfahrt ja eher fern und diese Kugeln werden heute zumeist nur noch unterirdisch gebaut. Also auch für mich was Neues. Der Wald befand sich links von einem Schotterweg, der wohl eine Abkürzung zum nächsten Ort war. Ein paar kleine Pfade zogen sich durch die Büsche, also gleich rein! Nach ein paar Metern war aber auch schon Schluss. Maps zeigte zwar, dass ich auf den richtigen Weg war nur stand mir plötzlich ein Zaun im Weg, schien wohl mal ein größeres Industrieareal gewesen zu sein. Entlang des rostigen Zauns fand ich dann aber bald ein Loch und konnte den Weg fortsetzen. Schon bald erhob sich die riesige kupferfarbene Kugel mitten zwischen den Bäumen. Außen mit ein paar Graffiti beschmiert, bot sie trotzdem einen imposanten Anblick. Um die Kugel lief eine Stahltreppe hoch. Vorsichtig tastete ich mich hoch, die Treppe machte aber einen ordentlichen Ausblick. Von oben konnte man bis zum Schengenmeer sehen.

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Mein nächster Lost Place in Finnland war schon etwas größer. Doch zuerst würde ich mich mit jemanden namens Lauri treffen. Ich kannte zu dieser Zeit noch nicht wirklich jemanden aus Finnland. Etwas nervös war ich also doch, abgesehen davon würden wir in einer verlassenen Zementfabrik unterwegs sein. Lauri bestellte mich zu einer Bushaltestelle im Industriegebiet und bestätigte auch gleich das Klischee des ruhigen, zurückhaltenden Finnen. Etwas Suche nach einem Zugang zum Areal war dann doch nötig, um in die großen Hallen zu kommen. Lauri war schon oft an diesen Ort und konnte mir gleich noch ein paar interessante Ecken zeigen. Total überraschend zwischen all den einfachen Betonwänden war ein bunt gefliester Raum im Keller. Diesen „Pausenraum“ haben die Arbeiter in ihrer Freizeit gestaltet. Nach einer Weile waren wir aus der Haupthalle draußen und scheinbar waren wir auch nicht die einzigen auf dem Areal. Ich hatte zwar schon öfter mit ungeahnt auftauchenden Besitzern und Polizei zu tun, trotzdem treibt es jedes Mal das Adrenalin in die Höhe, aber Lauri schien auch nicht weniger angespannt. Da Rennen eher immer schlecht ist, versuchten wir unbemerkt Richtung Zaun zurückzugehen. Raus aus einer der Hallen stand tatsächlich ein Auto vor dem Zaun auf der Rückseite mit jemanden, der gerade das Tor aufsperrte. Bevor wir ins Blickfeld kamen, drückten wir uns entlang der Wand Richtung Vorderseite, noch kurz über den Bach und mit leicht nassen Füßen waren wir wieder draußen. Das war Nummer zwei!

Die nächsten zwei Lost Places oder besser gesagt die Vorgehensweise meiner neuen Freunde war gewöhnungsbedürftig. Zuerst gab es aber erst mal Wiener Schnitzel für die Jungs, auch wenn ich nicht mit acht Leuten gerechnet hatte. Danach ging es zusammen mit Lauri und Valtteri im Auto zu einem kleinen Häuschen. Das Haus war bereits ziemlich zerlegt und es wurde viel geklaut. Im Garten gab es dann sogar noch eine Sauna.

Der zweite Lost Place an diesem Tag war in der Innenstadt. Abgesehen davon, das alles rundherum sehr belebt war und es schon etwas ungewohnt war, mit acht anderen Personen vor der Tür zu stehen, packte Valtteri nun auch noch den kleinen Akkuschrauber aus. Gemütlich entfernte er die Schrauben aus der verschraubten Tür. An dieser Stelle hätten wir es sonst wohl längst lassen, aber die Jungs schienen da etwas lockerer zu sein. Das Gebäude selber schien noch nicht lange leer zu stehen. Man erklärte mir, dass es einst ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige war. Viele der Sachen waren noch da und auch sonst sah es noch recht gut aus. Lustig ist es schon mit so einer Gruppe durchs Gebäude zu schleichen. Das Highlight war das Zimmer für die Kunsttherapie. In einer Ecke des Raumes stand ein bunt bemalter und beklebter Kopf, in dem jemand diverse Gegenstände gehauen hat.

Generell gibt es in Finnland aber eher wenig Lost Places, zumeist aufgrund der Geschichte sehr wenig Großes oder sehr alte Bauten, wie wir es zum Beispiel von Italien oder Frankreich gewöhnt sind. Auch scheinen die meisten Orte schnell Dieben und Vandalen zum Opfer zu fallen, selbst wenn sie noch so sehr in der Pampa liegen. Bei einem Bierchen mit den finnischen Kollegen erfuhr ich auch, dass die Gesetze in Finnland wesentlich lockerer sind und auch die Leute sich nicht so sehr dafür interessieren, was mit solchen Gebäuden passiert. Für mich war es auf jeden Fall ein Erlebnis, immerhin verliefen die meisten dieser Touren ganz anders, als ich es gewohnt war.

Wenn ihr mehr Lust auf Geschichten zu Lost Places habt oder einfach nur so Interesse am Thema habt, dürft ihr gerne auch auf meinem Blog vorbeischauen. Dort haben wir nicht nur Geschichten zu unseren Erlebnissen sondern auch einiges an Tipps und Hintergrundwissen zum Thema.

Cheers!

~Roach ;)

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9 Kommentare zu „Lost Places in Finnland

  1. Lost Places finde ich total spannend, nur schade, dass man an die meisten nicht gut rankommt. Vor ein paar Wochen waren wir auch in Skandinavien, aber Finnland fehlt uns noch auf unserer Europakarte!

    Liebe Grüße
    Jana

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  2. Mich beeindrucken solche Bilder und machen mit gleichzeitig etwas Angst. Auch wenn ich nicht an Geister oder der Gleichen glaube, haben diese Orte doch eine gewisse „Stimmung“. Danke für diese tollen Impressionen! :)

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  3. Mega stark! Ich war leider noch nie in Finnland aber solche Lost Places finde ich schon sehr interessant. Ich wusste nicht einmal, dass es dort welche gibt :D Es ist schon interessant, dass ihr da so einfach hingekommten seid :) Sehr tolle Bilder!
    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

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