Mein Auslandssemester in Singapur: die harten Fakten

Bei Berichten über Auslandssemester werde ich ganz hellhörig. Ich habe sogar zu Auslandssemestern und anderen Arten des Auslandsaufenthaltes, die nicht einer einfachen Reise entsprechen, eine Blogparade und ein Round Up gemacht.

Nun ruft Martina von Marview selbst zur Blogparade zum Thema Auslandssemester auf.

Ich habe euch beschrieben, wie mein emotionales Befinden war, habe euch leckeres Essen aus Singapur vorstellt und euch eine Übersicht über Singapur gegeben. Doch wie genau ich zum Auslandssemester kam und warum Singapur und was ich eigentlich mache, das habe ich tatsächlich nie so offen gelegt.

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Ein Auslandssemester fand ich immer spannend, aber während des Studiums habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht eines zu machen. Im Master gingen viele meiner Kommilitonen ins Ausland: Schweden, Brasilien, Thailand, Südafrika – sie waren weltweit verteilt. Aber irgendwie wollte ich einfach das Studium durchziehen.

Und dann kam die Masterarbeit. Eigentlich wollte ich in der anorganischen Chemie meinen Abschluss machen. Ich hatte sogar meinen Platz sicher und ein grobes Thema. Doch dann wurde ich von der physikalischen Chemie abgeworben. Und damit wurde mir die Türe für das Ausland geöffnet. Es hieß, zur Masterarbeit solle ich nach Dänemark, oder doch nach Singapur? Aber sechs Monate für die Masterarbeit sind eine knapp bemessene Zeit um dann noch zusätzlich ins Ausland zu gehen. Also war der Plan zur Masterarbeit über Board geworfen.

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Wie kam es dazu?

Jedoch trafen wir auf einer Tagung, die meine Chefin organisierte, Prof. Lee. Sie ist Arbeitsgruppenleiterin an der NTU in Singapur und kennt meine Chefin eine ganze Weile. Es waren schon einige ehemalige Mitarbeiter in Singapur, ebenso hatten wir bei uns schon einige Gäste der NTU. Zur Promotion habe ich ein Thema begonnen und wollte eine Methode durchführen, die in der Arbeitsgruppe von Prof. Lee bereits durchgeführt und publiziert wurde. Daher war das eine gute Gelegenheit. Meine Chefin hatte mich bereits zur Masterarbeit in Singapur vorgemeldet.

Somit habe ich mich nicht direkt dafür entschieden, es fiel mir tatsächlich einfach in den Schoß.

Finanzierung

Zum Anfang der Promotion gab es ein Förderungsprogramm (eine Art Austauschprogramm) vom BMBF, sodass die Gäste aus Singapur in Deutschland finanziert wurden und ich von der NTU in Singapur Gehalt bekam. Die Anreise übernahm die Uni in Oldenburg. Dementsprechend konnte ich das Fluggeld von der Uni zurückverlangen.

Singapur Dollar

Die Kosten zur Immatrikulation, zur Arbeitserlaubnis (zusammen ca. 180 SGD) und die medizinischen Untersuchungen (ca. 110 SGD) übernahm ich selbst. Ich hatte einiges an Geld angespart. Genauso zahlte ich die Unterkunft (monatlich ca. 960 SGD) selbst, die ich mir über das Internet suchen musste.

Vorbereitung

Die Vorbereitung ist das a und o und ich begann ungefähr im Mai damit. Zu der Zeit war eine Anreise für den 01. August 2017 angedacht. Für ein Auslandssemester muss ja einiges vorbereitet werden: Mietvertrag kündigen oder Zwischenmieter suchen, um das Visum kümmern, um die Uni kümmern, eine Unterkunft suchen, nach Flügen schauen, sich impfen lassen, die Auslandskrankenversicherung abschließen, eine Kreditkarte anfordern… Zur Vorbereitung auf das Auslandssemester in Singapur habe ich bereits eine Liste veröffentlicht.

Erwartungen und Probleme

Nun ja, richtige Erwartungen hatte ich nicht. Ich habe aus Erfahrungsberichten von dem Konkurrenzkampf zwischen den chinesischen Mitarbeitern gehört. Außerdem wurde mir auch gesagt, dass an der Uni eine Art Ellenbogensystem vorliegt, da jeder selbst erfolgreich sein möchte. Und das traf auch sehr gut zu.

Die meiste Zeit redeten die chinesischen Mitarbeiter auf Chinesisch miteinander, Hilfe wurde nur dann gegeben, wenn man explizit fragte und das Arbeitsklima war gewöhnungsbedürftig. Mit den indischen Mitarbeitern kam ich um einiges besser aus, da diese nicht dieses Konkurrenzdenken mit sich trugen und selbst auch nach Hilfe fragten.

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Anfangs fühlte ich mich auch sehr einsam. Ich hatte Heimweh und dachte: wie soll ich das hier durchstehen? Die Kollegen unternahmen nichts mit mir, bis eine Kollegin neu in die Arbeitsgruppe kam. Sie war in Australien gewesen um ihr Studium zu absolvieren und kehrte dann nach Singapur zurück. Sie hatte eine ganz andere Einstellung. Die war herzlich, fragte ob ich sie zum Mittagessen begleiten möchte, lud mich zu sich nach Hause ein, sie stellte mich ihrer Familie vor und zeigte mir die kulinarischen Highlights von Singapur.

Aber dem Zeitpunkt fühlte ich mich viel wohler!

Von Singapur selbst – was erwartete ich da? Ich klickte mich durch einige Blogbeiträge und Erfahrungsberichte. Ich hatte mich nie so richtig mit dem Land auseinandergesetzt. Aber das, was ich dort vorfand, sprengte meine Vorstellungen. Und als ich dann in dieser Wahnsinnsmetropole stand und das Marina Bay Sands mit eigenen Augen sah und durch die leuchtenden Supertrees schlendern konnte, traf es mich einfach: es war Liebe auf den ersten Blick (abgesehen vom tropischen Klima). Das Ganze war so surreal, aber absolut wunderbar!

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Pleiten, Pech und Pannen

Wie das so ist, gibt es auch negative Erfahrungen. Ich hatte tierische Probleme mit Zahnschmerzen und musste für 300 Euro eine Zahnbehandlung (Nerventfernung) durchführen, da mein Zahnarzt in Deutschland meine Zahnschmerzen mit einem „Die Entzündung ist abgeklungen“ abgewunken hatte. Aber dass der Nerv einen weg hatte, das musste ich dann in Singapur ausbaden.

Auf dem Weg nach Malaysia, bin ich elegant aus dem Bus gefallen und habe mir meine Bänder leicht gedehnt. Ich bin mit blauem und dicken Fuß durch Kuala Lumpur gestreunert.

Eines abends habe ich mich tatsächlich aus meinem Hostelzimmer ausgeschlossen und hätte beinahe im Aufenthaltsraum übernachten müssen. Nachdem ich aber mein Fenster genauer untersuchte, konnte ich es öffnen und in mein Zimmer einbrechen. Mehr dazu findet ihr im dazugehörigen Beitrag.

Würde ich mich nochmal für ein Auslandssemester entscheiden?

Definitiv! Egal wie schwierig es zwischendurch war, diese Erfahrung kann mir keiner nehmen. Ich konnte zwar von der Forschung her nicht so viel machen, wie ich wollte, da es der falsche Zeitpunkt in der Promotion war, aber ich bin über mich hinausgewachsen. Ich habe eine ganz neue Kultur.. nein ganz viele neue Kulturen kennen gelernt. Ich hatte endlich die Chance nach Asien zu reisen und auch Abstecher in Nachbarländer zu unternehmen.

Ich habe wunderbare Menschen kennen gelernt und tolle Erinnerungen gesammelt. Ich rate definitiv jedem dazu, seinen Horizont durch so eine Chance zu erweitern! Just do it!

 

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5 Gedanken zu “Mein Auslandssemester in Singapur: die harten Fakten

  1. Oh man so ein Pech mit dem Zahn und dem Fuß und dem Konkurrenzdenken! Aber schön, dass du trotzdem so eine tolle Erfahrung machen konntest! Ich selbst wäre gern in die USA gegangen, hab es aber nicht getan! Schade eigentlich!

    Liebe Grüße
    Jana

    Gefällt 1 Person

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