Round Up Part 3: Vanessas Chinesischstudium in Peking

Aller guten Dinge sind drei, oder wie war das? Im heutigen dritten Part der Round-Up Beiträge darf ich euch Vanessas Chinesischstudium näher vorstellen. Schaut auch unbedingt bei Part I und Part II vorbei.

Ein Auslandssemester kam während meines Studiums für mich nicht infrage. So gerne ich studierte und so sehr ich meine Fächer – Publizistik, Politikwissenschaft und Jura – mochte, im Ausland wollte ich meine Zeit nicht an einer Universität verbringen, sondern praktisch arbeiten. Während meine Kommilitonen ein oder zwei Semester an einer Hochschule in England, Frankreich, Spanien oder den USA verbrachten, machte ich zwei Monate Freiwilligenarbeit in Costa Rica, drei Monate Work & Travel in Neuseeland und ein zweimonatiges Praktikum bei einer deutsch-chilenischen Wochenzeitung in Santiago de Chile.

Im Rahmen von mehreren Reisen durch China stellte ich vor einigen Jahren fest, dass das Reich der Mitte für mich weit mehr ist als ein Reiseziel und dass ich unbedingt für ein Jahr in Peking arbeiten wollte. Ich erfuhr von der Möglichkeit, in China Englisch zu unterrichten und nahm Kontakt zu Anderen auf, die dort bereits als Englischlehrer gearbeitet hatten. Ich machte einen TEFL-Kurs (TEFL = Teaching English as a Foreign Language), erwarb das TEFL-Zertifikat mit Bestnote, schrieb Bewerbungen und reiste nach Peking, um mich vor Ort vorzustellen. Ich bekam zahlreiche Stellenangebote als Englischlehrerin, die Schulen wollten mich jedoch ohne gültiges Arbeitsvisum arbeiten lassen. Das kam für mich nicht infrage. Es stellte sich heraus, dass sich die Visabestimmungen zwischenzeitlich geändert hatten und man ein gültiges Arbeitsvisum als Englischlehrer nur noch erhält, wenn man die britische, irische, amerikanische, kanadische, australische, neuseeländische oder südafrikanische Staatsbürgerschaft hat oder das zweite Staatsexamen als Lehrer bzw. den Master of Education und zwei Jahre Berufserfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann.

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Die Verbotene Stadt in Peking vom Jingshan-Hügel

Doch ich wollte unbedingt mal ein halbes oder ein ganzes Jahr in Peking leben. Mittlerweile hatte ich von der Möglichkeit erfahren, Chinesisch an der Renmin-Universität in Peking zu studieren und bewarb mich für einen Studienplatz für ein Semester. Ende August 2017 flog ich nach Peking und zog neun Jahre nach meinem deutschen Studienabschluss in ein Studentenwohnheim auf dem Campus der Hochschule. Das war schon eine Umstellung für mich, und der einzige echte Nachteil meines Aufenthaltes, da das erste Wohnheim sehr laut war. Auch mein Flur im zweiten Wohnheim war relativ lebhaft, insgesamt war diese Unterkunft aber deutlich besser als meine erste, sodass ich es dort während der noch verbleibenden Monate aushalten konnte.

Davon abgesehen hatte ich eine fantastische Zeit in Peking. Im Chinesischkurs waren wir 15 Studierende aus Finnland, Russland, den Niederlanden, der Mongolei, der Slowakei, den USA, Frankreich, Indien und Deutschland.  Auch darüber hinaus lernte ich viele nette und interessante Leute aus aller Welt kennen und hatte bald eine kleine Gruppe von Freunden, mit denen ich einiges unternahm. Ich liebe die chinesische Küche und genoss es, täglich Gerichte aus allen Landesteilen Chinas essen  zu können. Wie schon bei meinen vorangegangenen Aufenthalten machte ich mehrere Kochkurse und aß so oft wie möglich Sichuan Hot Pot. Auch mit einer amerikanischen Freundin, die ich schon seit acht Jahren kenne und die seit 2010 in Peking lebt, traf ich mich regelmäßig. Weihnachten verbrachte ich mit ihr und vier anderen Freunden. Silvester machten wir eine Wanderung außerhalb Pekings, vorbei an neun gefrorenen Wasserfällen.

Mein Aufenthalt in Peking bot mir auch die Möglichkeit, nach Xiahe in die Provinz Gansu und nach Xining in die Provinz Qinghai zu reisen und die dortigen tibetischen Klöster besichtigen. Ein weiterer Höhepunkt meines China-Aufenthaltes war der Besuch des Harbin Schnee- und Eisfestivals, des größten Eisfestivals der Welt, das schon seit vielen Jahren auf meiner Reisewunschliste stand. Mit meinem Chinesischstudium in Peking habe ich mir meinen Traum verwirklicht, eine Zeitlang in der chinesischen Hauptstadt zu leben und habe dort einige der besten Monate meines Lebens verbracht.

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Auf der chinesischen Mauer in Longquanyu

Zu Vanessa

Vanessa war schon acht Mal im Reich der Mitte und kennt viele Regionen Chinas. In Peking hat sie ein Semester Chinesisch an der Renmin-Universität studiert. Auf ihrem zweisprachigen Reiseblog “The Travelling Colognian“ berichtet sie auf Deutsch und auf Englisch über China und ihre Reisen abseits der Touristenpfade in Ländern wie Bhutan, Usbekistan, Kasachstan Kirgistan und Tadschikistan.

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11 Gedanken zu “Round Up Part 3: Vanessas Chinesischstudium in Peking

  1. Super interessant! Denn ich bin auch grad am überlegen, ob ich nächstes Jahr nach China gehen soll. Dass sich die Bestimmungen verschärft haben, um als Lehrer zu arbeiten, habe ich schon gehört und finde ich schade. Mich würde interessieren, wie sie an den Studienplatz gekommen ist und was das dann alles gekostet hat. :-)

    Liebe Grüße von Breena
    https://www.deinereiselust.de

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  2. Ich beneide alle, die sich trauen, für längere Zeit im Ausland zu leben. Die es einfach machen, ohne die ganzen Wenn’s und Aber’s überhand gewinnen zu lassen. Ein wirklich toller und interessanter Beitrag, der mir wieder zeigt, dass ich einfach machen muss. Nur wann? :)
    LG
    Charnette

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  3. Im Land zu leben ist sicher die beste Möglichkeit, eine Sprache zu lernen. Auch wenn ich mir das bei Chinesisch besonders herausfordernd vorstelle.
    Aber so wie ich Vanessas Bericht verstehe, ging es ihr ja in erster Linie darum, mal ein Zeit in China zu leben und das Land intensiv zu erfahren. Das ist ihr ja definitiv gelungen, egal wie gut ihr chinesisch am Ende war.

    Liebe Grüße
    Gina

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  4. Liebe Michelle,
    ein toller Beitrag. Das erinnert mich ein wenig an mein Auslandssemester in Japan, auch wenn mein Start nicht so holprig war und ich schon Japanisch in Deutschland gelernt hatte. Meinen absoluten Respekt, sich ggf. erst vor Ort intensiv mit der Sprache zu beschäftigen – insbesondere Chinesisch. Hut ab.
    Es klingt allerdings auch so als müsse ich ganz dringend mal nach China. :)

    Viele liebe Grüße
    Kathi

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