[Gastbeitrag] Geschichtsträchtige und sagenumwobene Orte in Irland

Ich kann nicht verstehen warum einige Menschen Jahr für Jahr an den gleichen Urlaubsort fahren. Ich möchte am liebsten die ganze Welt entdecken und viele neue Eindrücke sammeln. Doch gibt es auch einen Ort, an dem ich mich so wohl gefühlt habe, dass ich immer wieder dorthin zurück und noch tiefer eintauchen möchte.  Dieser Sehnsuchtsort ist für mich Irland. Irland steht bei mir für raue Küsten, unendlich viel Grün, einsame Hochmoore, unglaublich freundliche Menschen, gemütliche Pubs mit toller Live-Musik und spannende Mythen und Sagen.

Ich hatte das Glück ein sechswöchiges Praktikum in der Nähe von Belfast machen zu dürfen und im letzten Jahr nochmal eine Rundreise durch die Republik Irland machen zu können. Damit gehört Irland auch zu den Ländern, in denen ich am meisten Reisezeit verbracht habe und von denen ich am meisten gesehen habe. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Reisetipps findet ihr in meiner Irland Bucketlist. In diesem Beitrag möchte ich sagenumwobene und geschichtsträchtige Orte in Irland vorstellen.

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St. Patrick

St Patricks Day kennt irgendwie jeder und mittlerweile wird der Tag auch immer mehr in Deutschland zelebriert. Aber wer war St .Patrick eigentlich, dass er so groß gefeiert wird? Es ist schwer Fakten von Sagen zu trennen.  Als Bischof nach Irland gesandt soll Patrick zahlreiche Klöster, Kirchen und Schulen gebaut haben und so nicht nur den christlichen Glauben, sondern auch Bildung nach Irland gebracht haben. Legenden zufolge soll er Irland auch von Schlangen befreit haben, was aber wohl eher bildlich für den heidnischen Glauben zu verstehen ist, da es in Irland nie giftige Schlangen gegeben hat.

In Downpatrick (südlich von Belfast) kann man das Grab von St. Patrick und ein Informationszentrum über Irlands Nationalheiligen besuchen.

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Wall Murals in Belfast

Auch wenn die Wandbilder recht bunt und von hoher künstlerischer Qualität sind, erinnern sie an ein trauriges Kapitel der irischen Geschichte. Während des Nordirlandkonfliktes zwischen den englischstämmigen Protestanten und den überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken kamen hunderte Menschen ums Leben. Beigelegt wurde der in den 1960-er Jahren beginnende Konflikt erst mit dem Karfreitagsabkommen 1998. Stille Zeugen dieses Konfliktes sind die Wall Murals (politische Wandbilder) in Belfast und Derry.

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Dock der Titanic in Belfast

Was mir vor meiner Reise nach Belfast nicht bewusst war, war dass die Titanic in der boomenden Industriestadt Belfast in der Werft Harland & Wolff gebaut wurde und von hier aus ihre Reise nach Amerika antrat.

An dem damaligen Bauplatz der Titanic steht heute das Titanic Erlebniszentrum. Hier bekommt man einen anschaulichen Eindruck von den Bauarbeiten sowie der Größe und dem Leben auf der Titanic. Laut Museumsleitung soll mit dem Prachtbau insbesondere aber auch Belfast als hochproduktiver Industriestand gedacht werden.

Trinity College Dublin

Das Trinity College in Dublin ist eine der renommiertesten Universitäten weltweit. Doch auch darüber hinaus bietet das Geländer der Universität einige Sehenswürdigkeiten. Die 1732 erbaute Bibliothek enthält über 6 Millionen Bücher. Das wohl bedeutsamste Buch ist das Book of Kells, was seit 2011 zum Weltdokumentenerbe gehört. Die illustrierte Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert ist ein wahres Kunstwerk, das über die Jahrhunderte erstaunlich gut erhalten ist und die vier Evangelien beinhaltet.

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(Kilmainham-Gefängnis)

Wer nach Dublin fährt sollte auch unbedingt dem Kilmainham Gefängnis einen Besuch abstatten. In der irischen Geschichte spielt das Gefängnis eine bedeutende Rolle, da hier viele irische Rebellenführer und nationalistische Politiker inhaftiert und hingerichtet wurden. Nach der Unabhängigkeit Irlands wurde das Museum 1924 geschlossen und beherbergt heute ein Museum.

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Man bekommt im Gefängnis nicht nur einen Eindruck vom bedrückenden Alltag im Gefängnis, sondern kann auch die Gedenkstätte für die hingerichteten Anführer des Osteraufstandes besichtigen. Der Osteraufstand gilt, auch wenn gescheitert ist, als Wendepunkt der irischen Geschichte, da er zur Unabhängigkeit der Republik Irland führte.

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Giants Causeway

Der Giants Causeway befindet sich im Norden Irlands und kann gut von Belfast im Rahmen eines Tagesausfluges besucht werden. Seit 1986 gehören die rund 40.000 Basaltsäulen, die durch die Abkühlung heißer Lava entstanden sind, zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten.

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Der Legende nach wurde der Damm vom Riesen Fionn mac Cumhail gebaut. Dieser soll von seinem schottischen Widersacher so stark beleidigt worden sein, dass er riesige Felsstücke aus der Klippe riss, um einen Weg nach Schottland zu bauen und seinen Widersacher herauszufordern. Da Fionn vom Bau aber so erschöpft war und Angst hatte den Kampf und somit seinen Ruf zu verlieren, verkleidete er sich als Baby. Als sein Gegner ankam und das vermeintliche Baby sah, erschrak er so sehr bei der Vorstellung wie groß denn dann der Vater sein müsste, dass er zurück nach Schottland floh und den Damm dabei hinter sich zerstörte.

Rock of Cashel

Rock of Cashel ist schon von Weitem zu sehen und wurde wohl auch damals wegen seiner ausgezeichneten geografischen Lage als Sitz der Könige von Munster ausgewählt. St. Patrick machte die Festung im 5. Jahrhundert sogar zum Bischofsitz. Angeblich soll St. Patrick bei der Taufe von König Angus diesem ausversehen seinen Bischofsstab in den Fuß gerammt haben, was dieser  aber ertrug, weil er es für ein christliches Taufritual gehalten hat.

Wer wie ich vor rund 20 Jahren die Serie Mystic Knights geschaut hat, erkennt die Burg vielleicht sogar als einer der Drehorte wieder.

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Die hier vorgestellten Orte sind lediglich eine Auswahl, die mir sehr schwergefallen ist. Dieses tolle Land hat einfach so viel zu bieten. Ich habe in Irland viele Museen besucht, die von älteren Männern in ihrer Freizeit betreut wurden. Hier musste man klingeln, um eingelassen zu werden  und hatte dann die volle Aufmerksamkeit. So habe ich z.B. in Carrickfergus viel zum Heizen mit Kohle gelernt oder aber in Belfast, die Kriegserlebnisse eines alten Iren geschildert bekommen, der die Bombardierung von Belfast miterlebt hat.

Insgesamt sind die Iren sehr stolz auf ihre Geschichte und ihre Legenden. Ich kann jedem nur ans Herz legen in dieses spannende und vor allem gastfreundliche Land zu reisen.

Schaut unbedingt auf Denise‘ Blog „Denise Bucketlist“ vorbei. Außerdem findet ihr sie auf Pinterest.

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12 Gedanken zu “[Gastbeitrag] Geschichtsträchtige und sagenumwobene Orte in Irland

  1. … der Eingangssatz spricht mir aus dem Herzen. Denn die Frage, warum Menschen immer und immer wieder am selben Ort Urlaub machen. Die Erde hat so viele wunderschöne Ecken, da reicht mein Leben garnicht aus um alles Schöne zu sehen :-)

    Sonnige Grüße,
    Katja

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo, ein sehr schöner Beitrag, der mir wieder zeigt, dass Irland unbedingt weiter nach vorne auf meiner Wunschliste stehen muss. Schon alleine wegen der tollen Street Art und dem Titanik Dock, aber natürlich auch wegen der tollen Natur. Danke für die Inspirationen!
    VG Simone

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Michelle,
    ohh, da spricht Denise mir aber aus dem Herzen. Ich liebe, liebe, liebe Irland. Und ich finde es super, von den vielen tollen Orten zu lesen.
    Gerade in Belfast war ich noch nicht und finde es daher umso spannender davon zu lesen. Insbesondere das Grab von St. Patrick finde ich sehr interessant.

    Das Trinity College in Dublin ist übrigens einer meiner Lieblingsorte. :)
    Danke für die vielen tollen Tipps, die ich bei meiner nächsten Irlandreise ganz sicher besuchen werde. :)

    Viele liebe Grüße
    Kathi

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  4. Ich war erst ein bis zwei Mal in Irland und dieses Land hat mich sehr begeistert! Ich finde die Natur auch sehr interessant. Wenn ich mir deinen Blog so durchlese, möchte ich unbedingt wieder hin und mir mehr Zeit nehmen. Da gibt es wirklich einiges zu entdecken und dein Beitrag ist wirklich sehr gelungen.

    vielen Dank für deinen schönen Reisebericht <3!

    Liebe Grüße
    Verena

    Gefällt 1 Person

  5. Ich finde den Eingangssatz super, denn genau das gleiche denke ich auch. Jedes Jahr an den gleichen Ort zu Reisen ist zwar einfach, aber auch irgendwie langweilig. Ganz und gar nichts für mich. Dieses Jahr übertreibe ich vielleicht etwas und bin sogar drei mal auf Fernreisen, aber so gefällt es mir.

    Die Planung für nächstes Jahr steht noch nicht ganz, aber ein Ziel wird wohl Großbritannien sein, also vielleicht auch Irland. Ich finde vor allem Giants Causeway ziemlich cool :-)

    Besten Gruß
    Henrik von Fernweh-Koch
    Fernweh-Koch bei Pinterest

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