Ein Traum wird wahr – 4 Wochen USA

Michelle und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Wir sind sogar schon gemeinsam gereist. Damals kannten wir uns noch gar nicht so gut, aber es funktionierte dennoch prima und wir hatten eine geniale Woche in Helsinki! Gerade lebt sie ja in Singapur und nun hat sie mich gebeten einen Gastbeitrag auf ihrem Blog zu schreiben. Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen. Über das Thema ließ sie mir komplett freie Hand und so entschied ich mich kurzerhand darüber zu schreiben wie es sich anfühlt, wenn endlich ein großer Reisetraum wahr wird!

toronot
Auf Toronto Island

Ich denke wir alle Reisenden haben unsere großen Reiseträume oder Träume generell. Einige habe ich mir schon erfüllt: wie zum Beispiel mal im Ausland leben (vier Monate in Irland). Andere Träume wiederum mussten doch ein wenig länger warten. Zum  Beispiel mein Traum in die USA zu reisen. Seit ich zwölf Jahre alt bin und Serien wie OC California und Co guckte, wollte ich unbedingt mal in die USA. Noch genauer – nach Los Angeles.

Während des Studiums fehlte mir meist das Geld und da ich trotzdem reisen wollte, gab ich mein bisschen Geld für Reisen durch Europa aus. Doch schließlich packte mich der Ehrgeiz und ich begann zu sparen. Eigentlich im Rahmen einer geplanten Weltreise, die ich dann doch nicht antrat. Stattdessen verbrachte ich vier Wochen in den USA (und sechs Tage in Kanada) mit zwei Freunden von mir.

Letztes Jahr im Oktober war es dann endlich so weit. Studium beendet, Flüge gebucht, Visa beantragt, Reisepass in der Hand und Hummeln im Arsch wie nichts gutes. Klar war ich schon einige Male alleine geflogen, aber noch nie so lange – geschweige denn auf einen anderen Kontinent. Ja, ich war nervös. Ein gutes nervös jedoch. Ich flog von Frankfurt mit Condor nach Toronto. Eingepfercht in der Mitte auf dem Mittelplatz weil ich Tröte die kostenlose Sitzplatzwahl verplant hatte. Naja, da musste ich nun durch. Natürlich saßen zwei gut gebaute Kerle neben mir. Dafür war das Essen hervorragend und der Flug ging doch auch irgendwie viel schneller vorbei als ich dachte.

USA-129
Auf Toronto Island

Mit wackligen und dicken Beinen stieg ich dann in Toronto aus dem Flieger. Jetzt war ich wirklich nervös. Ein wenig Bammel hatte ich ja schon vor der Einreise. Was wenn das mit dem ETA nicht so geklappt hatte? Oder sie mir komische Fragen stellen würden. Ich wusste schon gar nicht mehr genau wann ich aus Kanada ausreisen würde. Bei der Immigration erfolgte dann das große Chaos. Riesige Schlangen an den Automaten und Schaltern. Es dauerte und dauerte. Bestimmt eine Stunde später stand ich endlich einem Grenzbeamten gegenüber der mich gelangweilt fragte was ich denn in Kanada so vorhabe „Travelling“, antwortete ich also brav. Natürlich wollte er wissen wohin. „Toronto and Niagara Falls.“ Er nickte. Und dann? „To New York by bus.“ Ich war sichtlich nervös. Verstand ihn schlecht. Was ich denn arbeiten würde. „I’m a teacher.“ Okay, endlich nahm er seinen Stempel in die Hand und ich konnte von dannen ziehen.

Mein Rucksack zog schon endlose Schleifen auf dem Gepäckband. Ich zerrte ihn aus dem Flightcase, stopfte es erschöpft hinein und ging endlich durch den Ausgang. Dort warteten meine Freunde schon auf mich. Noch lange realisierte ich nicht, dass ich gerade wirklich auf einem anderen Kontinent war. Nach 24 Stunden Reise und wach sein fiel ich erschöpft in das weiche Queensize-Bett unseres AirBnB’s. Ich war angekommen. Auf der anderen Seite des großen Teichs. Wahnsinn oder?

20171018-20171018-DSC09117
Sonnenaufgang an den Niagara Fällen

Toronto und die Niagara Fälle waren so gesehen der erste Teil des „Traum-Erfüllungs-Plan“. Ich musste ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, das meine Freunde auch mit nach Toronto kommen, aber ich glaube sie haben es nicht bereut. Es fühlte sich so wahnsinnig irre an dort zu sein. Ich habe mich richtig in die Stadt  verliebt. Die wunderschöne Architektur, die Freundlichkeit der Kanadier und die entspannte Stimmung. Die wuchtigen Wassermassen der Niagara Fälle. Dort erfüllte sich noch ein weiterer Traum. Zum ersten Mal lernte ich richtige Backpacker auf meiner Reise kennen. Zwar war ich sonst auch immer mal mit anderen Reisenden in Kontakt gekommen, aber noch nie so intensiv wie dort. Mit Wendy habe ich auch heute noch Kontakt – die liebenswürdige Holländerin, die gerade in Guatemala ist (glaube ich).

In den USA wurden dann gleich ganz viele Träume wahr: das ging vom Essen über in Städte und Orte. Einen richtigen Roadtrip machen. Ich muss sagen, in den vier Wochen sind wirklich viele meiner Träume in Erfüllung gegangen und ich glaube manchmal hatte ich Probleme damit umzugehen. Es ist manchmal überwältigend wenn etwas wahr wird, was man sich schon so lange gewünscht hat. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber seid ihr mal wohin gereist wovon ihr schon über zehn Jahre geträumt habt? Überwältigendes Gefühl oder? Zumindest ging es mir so.

New York und ich sind nicht ganz warm miteinander geworden, aber ich denke das ist dem zu großen Kontrast von Kanada zum Big Apple zu verschulden. Für mich der prägendste Moment: am Ground Zero zu stehen. Der 11. September hat mich seither immer sehr intensiv beschäftigt. So sehr, das ich sogar meine mündliche Prüfung in Geschichte damals darüber hielt. Dort zu stehen wo so viele Menschen gestorben sind, das war ein ganz komisches und bedrückendes Gefühl. Es gab mir aber auch die Bestätigung, das es wirklich passiert ist. So lange man nicht an einem solchen Ort selber war, wirkt es immer etwas unwirklich. Auch wenn man weiß, das dem so nicht ist. Diese Stille und Ruhe an diesem Ort hat mich einfach ganz in den Bann gezogen.

ground-zero-new-york
Ground Zero

Hibbelig wurde ich dann als wir endlich nach Chicago flogen. Seit ca. fünf Jahren möchte ich dort unbedingt hin. Ich gebe zu, ich bin ein Serienfreak und liebe die Serien Chicago Fire, Chicago P.D. und Chicago Med. Natürlich wollte ich da unbedingt nach Chicago und mir die Stadt / Drehorte mal in echt ansehen. Leider war die Zeit zu knapp dafür bemessen, was ich natürlich etwas schade fand. Aber Chicago war sooooo toll. Die Stadt ist ganz anders als New York. Viel ruhiger und entspannter. Dort trafen wir auch Wendy wieder und aßen leckere Deep Dish gemeinsam. Es fühlte sich einfach wahnsinnig cool an dort zu sein und an einigen Drehorten vorbei zu spazieren.

the-bean-chicago
„The Bean“ oder auch Cloud Gate in Chicago

Nach den Städten folgte ein Roadtrip durch den Südwesten Amerikas. Es folgten wahnsinnig viele Nationalparks, die für mich irgendwann ineinander verschwammen. Am meisten hat mich aber der Zion Nationalpark beeindruckt. Die Wanderung zum Observation Point war einfach der Hammer. Ich muss gestehen, keine dieser Dinge, die wir auf dem Roadtrip getan haben, waren Träume, die ich mir unbedingt erfüllen wollte. Aber das machte die Sache noch besser: denn ich hatte keine großen Erwartungen an diese Orte. Sie konnten mich überraschen und verzaubern. Und das haben sie auch zum Teil. Lediglich der Grand Canyon war nicht mehr so beeindruckend nach allem was man gesehen hatte. Und mit einem Wohnmobil durch die Gegend zu fahren stellte sich auch als ziemlich cool heraus. Das war nämlich ein erstes Mal für mich. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Man ist einfach so viel flexibler.

20171027-20171027-DSC09576
Observation Point im Zion NP

Das Highlight kommt ja schließlich immer am Ende der Reise oder? So sollte es auch eigentlich immer sein. Mein größter Wunsch: einmal nach Los Angeles. Gegend Ende der vier Wochen ging es endlich nach Kalifornien. Ich war total aufgeregt. Wie würde es wohl wirklich in LA sein? So wie ich es mir erträume oder doch ganz anders? Ich muss gestehen: es war ganz anders als ich es mir immer vorgestellt hatte. Aber auch damit muss man umgehen können wenn man sich Träume erfüllt. Besonders wenn man diese schon so lange hat. Es kann einfach sein, dass es dort nicht so ist wie man es sich immer vorgestellt hat. Dennoch fühlte es sich toll an dort zu sein. Zu sehen wie es dort wirklich ist. Zumindest an den Orten, an denen wir waren. Ich muss mir also nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen – wie es dort wohl ist. Jetzt weiß ich es.

los-angeles
In Santa Monica am Strand

Und das ist auch wohl meine größte Erkenntnis. Wenn man Träume hat, besonders für eine lange Zeit, dann verschiebt sich die Realität mit der Wunschvorstellung. Bei den meisten Orten hat es trotzdem hingehauen, bei manchen aber nicht.

Trotzdem, ich weiß jetzt, dass man seine Träume leben kann. Man kann sie sich erfüllen. Man muss die Dinge nur eben selber in die Hand nehmen. Man kann nicht ewig darauf warten. Wenn du etwas möchtest, dann tu es! Denn es fühlt sich wahnsinnig toll an sich endlich einen Traum oder Wunsch zu erfüllen. Es tut dem Selbstbewusstsein auch ganz gut, wenn man sich etwas unmögliches ermöglicht hat.

20171104-20171104-DSC00170
The City of Angels :)

Und so ging es für mich nach vier Wochen wieder zurück nach Deutschland. Um viele Erfahrungen reicher und einen Traum weniger. Dafür aber mit einer Menge neuer Träume, die nur darauf warten erfüllt zu werden.

Welche Träume hast du dir schon erfüllt oder möchtest du dir noch erfüllen?

Advertisements

10 Gedanken zu “Ein Traum wird wahr – 4 Wochen USA

  1. Wahnsinn. Toll geschrieben. Ja ich kann es nachvollziehen, wenn sich endlich ein Traum erfüllt :-)

    Das Foto wo Du bei den Niagara Wasserfällen sitzt, ist mega! Wir waren auch schon da, leider nur tagsüber. Wenn ich bedenke wie viele große Hotels und Spielcasinos da gibt, vergessen die Meisten, fast wie schön die Natur da ist.

    Liebe Grüße
    Olivia

    Gefällt 1 Person

    1. Danke dir! :)
      Bei den Niagara Fällen war ich einen Tag und zwei Nächte. So konnte ich sie im hellen, nachts und bei Sonnenaufgang sehen. Kann ich nur empfehlen – auch wenn die amerikanische Seite tatsächlich schöner ist als die kanadische mit den ganzen Kasinos.
      LG Janna

      Gefällt 2 Personen

  2. Hihi, das kann ich alles super nachvollziehen, das erste mal USA ist an mir irgendwie vorbeigelaufen wie ein Film. Man kann das alles gar nicht realisieren so schnell was dort passiert. Die ganzen Superlativen, die Weite, die Menschen … unfassbar alles. Mittlerweile war ich 15x drüben und viele ist ’normal‘ inzwischen, trotzdem hat das Land nie seinen Reiz verloren für mich. Toll geschriebener Artikel jedenfalls, auf zum nächsten Traum.

    Gefällt 1 Person

  3. Huhu! Ich finde die USA so vielfältig und abwechslungsreich! Bin – von dem aktuellen Präsidenten abgesehen – Fan von Amerika. Habe selbst einige Jahre dort gelebt. Danke für einen wieder neuen Einblick in dieses schöne Land! VG!!

    Gefällt 1 Person

  4. ein richtig toller Bericht! ich finde es super, dass du auch Reisegastbeiträge hier miteinbindest :)
    die Reise der lieben „itseasiertofall“ finde ich super spannend! so wie sie war ich früher auch ein absoluter O.C. California Fan und wollte seitdem dort immer hinreisen! es muss total toll sein, diese Gegend dann zu erkunden und mit eigenen Augen zu sehen!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

    Gefällt 1 Person

  5. Oh wie Klasse! :) Die USA sind definitiv eine Reise wert. Ich war schon öfter und bin immer wieder aufs Neue begeistert. Aber die Niagara Fällen muss ich mir auf jeden Fall mal anschauen! Die fehlen mir noch.

    Gefällt 1 Person

Mit dem Absenden des Kommentars stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zu. Mehr dazu finden Sie unter dem Menüpunkt Datenschutz.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.