Singapur und ich: Ein Dialog

Herzlich Willkommen in Singapur! Du willst im Land bleiben? Zeig erstmal, dass du gesund bist und uns nicht HIV, Hepatitis B oder Tuberkulose ins Land schleppst..

-„Äh klar, hier macht alle Tests, die ihr braucht und lasst mich arbeiten!“

Gut, komm dann in 1.5 Wochen wieder, dann sagen wir dir, ob du bleiben darfst!

-1.5 Wochen später-

Schön, du bist gesund. Jetzt kannst du dich bei der Uni anmelden und deine Gebühren zahlen!

-„Jau, wird sofort erledigt!“

Aber denk daran, du brauchst erstmal deinen TEP (Training Employment Pass) bevor du arbeiten darfst!“

-„Wo krieg ich den?“

Geh morgen zum MOM, die helfen dir weiter!“

-„Alles klar, auch das mach ich!“

Mach dich hübsch fürs Foto und verlier bloß deine Fingerabdrücke nicht bis morgen.“

-„Ja okay.. ich geh dann nochmal duschen und steck meine Finger nicht in Säure.“

-1.5 Wochen später-

Hier ist dein TEP.“

-„Kann ich jetzt arbeiten?“

Nein, ganz sicher nicht. Du hast doch noch gar keinen Studienausweis. Und überhaupt, kümmer dich mal um deine Login-Daten!“

-„Aber, aber.. ich warte doch drauf!“

Hab dir ’ne e-Mail gedroppt. Kannst dich jetzt einloggen!

-„Geil. e-Mail klappt, Exchange Portal klappt.. NTU Account kla… wie klappt nicht?“

Ganz so einfach kann ich’s dir ja nicht machen. Ich möchte ein Spiel spielen! Schalte deinen NTU Account frei, danach kannst du deine Vorbereitungen für das Labor treffen. Arbeit oder Faulenzen – du hast die Wahl!“

-„You must be kiddin‘! Der IT-Mensch hat mir schon geholfen. Ich komm jetzt auf meinen Account..“

Das äh.. ging schneller als.. ähh, erwartet. Aber HAHA. Du musst dich erst durch 18 Sicherheitstest durcharbeiten. Das wird Wochen dauern, sag ich dir!“

-3 Tage später-

-„Wochen? Ich hab mir schon Zeit gelassen und hab alles in 3 Tagen geschafft!“

Was? Nein, nein das kann nicht sein. Du..

-„Kann ich jetzt arbeiten?“

Niemals! Schau mal, du hast die letzte Lab Orientation um einen Tag verpasst. Aber ohne darfst du nicht ins Labor. Hier, warte noch 2 weitere Wochen!

-„Gnaaargh.. Das ist nicht dein Ernst?!“

Muhahah…

-2 Wochen später-

Ich sehe, du hast die Lab Orientation?

-„Ja.. war unnötig, kannte ich alles schon.. kann ich jetzt arbeiten?“

Aber, aber! Hast du denn schon den Laborzugang auf deiner Studentenkarte? Sonst kommst du ja gar nicht ins Labor?

-„Was, wie?“

Ja, du musst nachweisen, dass du alle Sicherheitseinweisungen erledigt hast und musst dann online erstmal Zugang beantragen, der dann genehmigt werden muss.. das kann noch ein paar Tage dauern..

-„Ich möchte weinen! Das kann nicht wahr sein!?“

Taschentuch?

-„Leck mich, ok? Kann ich denn wenigstens was anderes vorbereiten?“

Hast du daran gedacht, dass du für deine Experimente je ein Risk Assessment aufstellen musst?

-„Ich hab davon gelesen..“

Identifizier mal die Gefahren, was passieren kann und wie du dem vorbeugen kannst. Viel Spaß.. Ach ein Tipp: Das muss erstmal alles vom Supervisor genehmigt werden. Vorher darfst du deine Experimente nicht machen..

-„…“

-einen Tag später-

-„Yes! Alles genehmigt, ab ins Labor! Meine Proben sind da, die anderen krieg ich gestellt..“

Wie du kriegst Proben gestellt?

-„Ich soll das nicht selbst machen. Ist zu gefährlich und bringt mir nix. Das ist nur zum Ausprobieren.“

Ne.. da musst du wen anders hinschicken. Du kannst nicht in das Gebäude. Leider kein Zugang für dich.

-„Dann frag ich meine Kollegen?!“

… okay

-„Also, ich hab alle Sicherheitseinweisungen, ich hab Zugang zum Labor, bekomme meine Proben und auch mein Risk Assessment ist genehmigt.. Labor?“

Nein, kein Labor.. du brauchst Glasgeräte!

-„Wie, krieg ich die nicht von euch?“

Du musst dir welche im Lager besorgen!“

-„Okay, dann komm ich morgen früh und hol mir alles, was ich brauche..“

Aber du brauchst doch einen Account, um das online einsehen zu können und zu bestellen.

-„Ja, auch das ist kein Problem, den erstell ich mir!“

Nicht so schnell.. du musst den Account erst von deinem Chef genehmigt bekommen!

-„Wie, das muss genehmigt werden?!“

Ach übrigens.. dein Supervisor ist auf Tagung. Viel Spaß beim Warten! Muhahaha…

 

Ich werd das Gefühl nicht los, dass das Land irgendetwas gegen mich hat…

Michelle

Mit diesem Beitrag habe ich an der Blitzparade März „Mein liebster Beitrag aus 2017“ von wiraufreise.de teilgenommen.

Dieser Artikel erschien in der Frühjahrsausgabe ’18 der AStA-Zeitung der Uni Oldenburg.

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45 Kommentare zu „Singapur und ich: Ein Dialog

    1. Liebe Jacqueline,

      vielen Dank für deine wirklich lieben Worte :)
      Das freut mich!
      Bei mir ist es schon Abend, ich wünsche dir aber einen schönen Tag :)

      Liebe Grüße <3

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    1. Danke für deine lieben Worte :)
      Ja, manchmal ist Strenge nicht schlicht. Und manchmal ist es so übertrieben, dass man wahnsinnig wird.
      Ein gesundes Mittelmaß wäre super :D
      <3

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  1. Ein tolle Blogpostidee muss ich sagen! Das hast du echt amüsant geschrieben, auch wenn es in diesem Zeitpunkt bestimmt nicht so toll war. Ich hoffe das warten hat inzwischen ein Ende oder ist bald zu Ende! Wünsche dir weiterhin viel Erfolg. :)

    Liebe Grüße
    Lisa

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  2. Ha ha… Witzig zu lesen, wahrscheinlich etwas weniger witzig es real zu erleben…
    Aber nicht viel anders geht es wohl jedem Fremden in so einer Situation – egal wo auf der Welt…
    Ich denke, in Deutschland würde es einem ganz ähnlich ergehen…

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    1. Man wird wahnsinnig und vor Wahnsinn lacht man dann.
      Oder so :D
      Es bessert sich langsam, also es geht bergauf.
      Ich glaube auch, dass es überall schwierig ist, aber alleine, dass die medizinischen Gegebenheiten so krass untersucht werden.
      Das hat man auch nicht überall.

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  3. Urlaub und arbeiten wollen in Singapur scheint ein himmelweiter Unterschied zu sein. Da liegen ja eine Menge Stolpersteine im Weg rum.

    Gedrückte Daumen für eine demnächst „ereignislose“ Zeit dort.

    Es grüßt
    DieReiseEule, die an Weihnachten nach Singapur fliegt.

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    1. Ja, das ist wahr. Bis meine Arbeitserlaubnis beantragt war, hab ich all meine Daten preisgeben müssen.
      Singapur weiß jetzt alles über mich und ich weiß, dass ich keine bösen, ansteckenden Krankheiten habe :D

      Falls du mal was trinken gehen möchtest, sag gern Bescheid! :)

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  4. Oh Mann. Das erinnert mich an die Stelle bei Asterix und Obelix, wo die von Pontilus zu Pilatus rennen müssen oder so ähnlich. Sich eine neue Existenz aufzubauen in einem anderen Land, selbst wenn nur vorübergehend, kann ganz schön an die Substanz gehen. Wir kennen das, sind schon zweimal ausgewandert. Da brauch man ja auch Bankkonten und Handyverträge, Versicherungen, Mietverträge usw. Von Arbeitserlaub, Visum, Medicals mal ganz zu schweigen. Wir wünschen dir viel Glück für deinen weiteren Werdegang dort, und hoffentlich ist bald alles geklärt!

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    1. Lustigerweise habe ich genau diesen Vergleich schon öfter gehört.
      Nach dem Passierschein A38 wurde ich aber noch nicht gefragt :D
      Langsam klärt sich der Rest und ich konnte heute tatsächlich im Labor arbeiten!
      Aber du hast Recht, es ist der Wahnsinn, was man alles beachten und klären muss.

      Vielen, lieben Dank <3

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  5. Hi Michelle,

    ich hab mir gerade vorstellt, was du so sagst, wenn du mal versuchst in Südafrika auf ein Amt zu gehen. Da ist Singapur noch rasend schnell dagegen. Aber es war mir ein Fest zu lesen;)

    Grüße Marlene

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    1. Naja, wenn man nur ein halbes Jahr hat und „nur“ für die Uni forschen will, dann raubt das jede Menge nützlicher Zeit.
      Das ist schon schade!

      Vielen Dank :)

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  6. Hey :)
    ich hatte ja versprochen bei dir vorbei zu schauen – leider hatte ich meine Login-Daten vergessen und ohne die, konnte ich meinen Kommentar nicht abschicken.

    Deine Adventskalenderinhalte habe ich mir auch angeschaut. Alles in allem wäre mir aber zu teuer geworden – der Inhalt darf bei mir 30 Euro nicht überschreiten und ich mag es, wenn mein Kalender ein Gesamtkonzept hat. Dieses Jahr gibt es jeden Tag ein anderes Gewürz (wir kochen gerne).

    Aber nun zum Thema: Wow. Das klingt hart. Aber sowas haben Deutsche Unis auch drauf! Da wird immer gesagt: „sie finden alle Informationen auf der Website oder in dieser Broschüre“… ja und dann steht man im Büro und es fehlen noch 3 Unterschriften, 5 Nachweise und 2 Empfehlungen. :D

    Manchmal glaube ich es gibt einen Zähler, der bestimmt, dass jede 7. Person so richtig verarscht wird ^^

    Viel Geduld und Liebe Grüße > sara

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